Diagnosefindung 15

Was die Pflegekräfte betraf, kann ich nur sagen, dass sie zum Großteil sehr freundlich und zugewandt waren. Kaum das jemand von ihnen schlechte Laune mitbrachte. Dabei hatten sie doch eine Arbeit, die keinesfalls leicht zu nennen war. Jeden Tag mit todkranken Menschen zusammen zu sein, stellte ich mir nicht gerade einfach vor. Mir sind zwar in meiner Arbeit als Ergotherapeut auch todgeweihte Menschen begegnet, doch hatte ich immer nur punktuell, zu den Therapiezeiten, Kontakt zu ihnen. Ich hatte sicher eine größere Chance gehabt, diesen Personen mit der erforderlichen »therapeutischen Distanz« zu begegnen, als es das Pflegepersonal hier hatte.
Mir fällt dazu eine sechzigjährige Patientin ein, die wegen eines Suizidversuches an meinem damaligen Arbeitsplatz, in der Gerontopsychiatrie, aufgenommen wurde. Sie hatte ihn aus Angst vor dem Tod durch ihre Krebserkrankung unternommen. Sie saß im Rollstuhl, weil sie durch den Tumor der Lendenwirbelsäule nicht mehr gehfähig war. Die Metastasen waren bis zur Lunge vorgedrungen. Seit der Erkrankung hatte sie vermehrt Alkohol getrunken, ihr Ehemann kam mit der Situation zu Hause nicht klar. Über die Aufnahme in die Psychiatrie schien die Patientin sehr froh. Sie nahm an allen Angeboten teil, war sehr an den unterschiedlichen handwerklichen Angeboten interessiert, die wir in der Ergotherapieabteilung anboten. Sie versäumte nicht eine Therapieeinheit, war sehr kontaktfreudig und während der therapiefreien Zeiten motivierte sie Mitpatienten zu Gesellschaftspielen. Sie sagte selbst, dass sie sich in der Klinik gut von ihren negativen Gedanken ablenken könne.
Unser Oberarzt gab ihr im Höchstfall noch ein halbes Jahr zu leben. Doch wie sich zeigte, sollte er sich täuschen.
Als die Patientin sich stabilisiert zu haben schien, wurde sie entlassen. Insgesamt war sie vier Wochen in der Klinik gewesen.
Es dauerte aber nicht lange und sie wurde wieder eingeliefert. Ihr Hausarzt hatte sich keinen anderen Rat gewusst und ihr eine Überweisung ausgestellt. Sie hatte jeden Tag getrunken, um ihrer Ängste Herr zu werden. Die verordneten Antidepressiva schienen nicht die erforderliche Hilfe zu sein. Mit ihrem Ehemann war sie total zerstritten. Er war hilflos, kam mit der Situation überhaupt nicht zurecht und war eher eine Belastung als eine Hilfe für seine Frau.
Die Patientin war sehr verzweifelt, konnte sich aber in relativ kurzer Zeit wieder stabilisieren. Sie wurde wieder entlassen … und zwei Wochen später wieder aufgenommen. In dem gleichen instabilen Zustand wie vorher. Dieses Spiel wiederholte sich so lange, bis die Patientin nach eineinhalb Jahren starb.
Mir tat diese Frau sehr leid. Doch wirklich verstehen konnte ich damals ihre Verzweiflung nicht. Jetzt natürlich konnte ich nachempfinden, wie es ihr wohl gegangen war. Ertappte ich mich doch selbst dabei, wie ich meinen Gedanken nachhing, urplötzlich in einen Weinkrampf verfiel, weil mir die Verzweiflung schier das Herz zerreißen wollte. Meist drehten sich meine Gedanken um das Abschiednehmen müssen, von meinen Angehörigen. Oder ich musste erleben, wie ich stundenlang nur dumpf brütend auf der Couch lag. Depressiv und hoffnungslos.

Doch zurück zum Pflegepersonal. Ich weiß aus dem eigenen Berufsleben, dass sich hinter den Kulissen oft anderes anspielte, als vor den Patienten. Hier bekam ich davon natürlich nichts mit. Ich jedenfalls fühlte mich vom Pflegepersonal und auch von den Ärzten auf der Station gut betreut. Und das gilt für die ganze Zeit der Krankenhausaufenthalte während meiner Krebserkrankung.

Eigentlich stehengeblieben war ich bei meinem Anästhesiegespräch, das mit einer nochmaligen Untersuchung mit dem glücklichen Ergebnis endete, dass die Rachen-OP abgeblasen wurde. Ich verließ die Klinik endlich mal wieder in guter Laune. Ich kann mich erinnern, dass ich am späten Nachmittag noch meine achtzigjährige Tante besuchte, die auch bei uns im Ort lebte, um ihr die gute Nachricht zu bringen. Meine Frau war natürlich auch froh und glücklich, dass mir die OP erspart blieb.
Wie das Wochenende verlief, weiß ich nicht mehr. Entscheidend war aber sowieso der Montag danach. Denn da bekam ich einen Anruf aus der Klinik. Das Referenzgutachten war eingetroffen. Es bestätigte das T-Zell-Lymphom. Und das hieß, dass ich am Mittwoch im Krankenhaus aufgenommen werden würde, um mit der Chemotherapie zu beginnen. Es liest sich jetzt vielleicht merkwürdig: Ich freute mich!

Diagnosefindung 14

Ich lernte auch Karls Frau kennen, die ihn jeden Tag besuchte. Wie sie erzählte, arbeitete sie aktiv in einem Verein für Suchtkrankenhilfe mit. Und das schon seit Jahren. Ich war auch Mitglied in einem solchen Verein gewesen. Der Kontakt zu den anderen Suchtkranken hatte sich tatsächlich als sehr hilfreich herausgestellt. Doch nach drei Jahren hatte ich den Verein verlassen. Ich wollte nicht nur noch Suchtkranke und ihre Angehörigen um mich haben. Es drehte sich ja alles nur noch um Sucht.
Mir gelang, trotz meiner Angst eventuell wieder rückfällig zu werden, das Leben ohne die Abhängigkeit zu diesem Verein.
Karls Frau jedenfalls schien in diesem Verein aufzugehen. Karl erzählte, das seine Frau hauptsächlich in den Gesprächsgruppen des Vereins aktiv sei, er jedoch nur einmal die Woche zum Kartenspielen hingehe. Ein echtes Phänomen, dachte ich. Denn ähnlich hatte ich es auch in dem Suchtverein erlebt, in dem ich Mitglied war. Es hatte auch dort sehr viele Ehefrauen gegeben, die die Gesprächsgruppen besuchten, während ihre abhängigen Ehemänner nur an den Freizeitaktivitäten teilnahmen.
Ich hatte auch mehr Interesse an den Gesprächsgruppen gehabt und betreute Leute, die gerade mit dem Trinken aufgehört hatten. Denn das gehörte auch zu den Aufgaben des gemeinnützigen Vereins. Der Versuch anderen Menschen zu helfen, mit dem Trinken aufzuhören. Wer das machen wollte, musste aber einen hundertstündigen sogenannten »Suchtkrankenhelferlehrgang« absolvieren. Schirmherr war der Gesamtverband für Suchtkrankenhilfe im Diakonischen Werk der evangelischen Kirche in Deutschland.
Anderen zu helfen brachte mir eine gewisse Befriedigung und ich wusste auch, dass ich »dieses Helfen« für mich tat und es nicht meiner Selbstlosigkeit entsprang. Das hörte natürlich mit meinem Austritt aus dem Verein auf. Aber es ist zu erkennen, weshalb ich später eine Ausbildung zum Ergotherapeuten machte.
Es blieben selbstverständlich Kontakte zu einigen Leuten aus dem Verein. Ich will auch nicht verschweigen, dass meine spätere Ehefrau, die, wie schon erwähnt, an einem Hirnaneurysma starb, auch suchtkrank war. Ich habe sie in dem Verein für Suchtkrankenhilfe kennengelernt. Die Verbindung zu anderen Suchtkranken war also nicht gänzlich gekappt. Heute habe ich noch einen engen Freund, der ebenfalls trockener Alkoholiker ist.

Karl war Hobbyjäger. Er war regelmäßig zur Jagd gegangen. Seit seiner Krebserkrankung war ihm das nicht mehr möglich gewesen. Er beklagte es sehr. Er erzählte gern von der Jagd und freute sich darauf wieder jagen gehen zu können. Der Gedanke, dass er das nicht mehr möglich sein sollte, schien ihm nicht zu kommen. Kann sein, dass er das verdrängte. Auch seine Frau sprach so, als hätten beide noch alle Zeit der Welt. Der Tod war kein Thema. Dabei wussten sie, dass er an seiner Krebserkrankung sterben würde. Und es ging dabei nicht um Jahre. Sogar ich als Laie konnte sehen, wie schlecht es ihm ging. Ohne Sauerstoff ging da nichts. Am Kopfende seines Bettes befand sich die Sauerstoffzufuhr und er kam nur einige Stunden am Tag ohne Sauerstoff aus.
Ich traf ihn und seine Frau später während der ambulanten Chemotherapie. Das war das letzte Mal, das ich beide sah.

Diagnosefindung 13

Was ich bisher noch nicht erwähnt habe, ist, wie mir der Aufenthalt auf der Station der Hämatologie, während der Untersuchungssituation gefallen hat. Ich lag ja mit meinem Leidensgenossen Karl auf dem Zimmer. Ich kam recht gut mit ihm klar.
Er war schon seit Ewigkeiten Rentner, wie er sagte. Früher war er Landwirt gewesen, hatte den Hof aber mit Beginn der Rente, also vor fünf Jahren, an den Sohn übergeben. Er sagte, er sei immer kerngesund gewesen.Und vor einiger Zeit habe er diesen Husten bekommen und sei ihn nicht wieder losgeworden. Als er sich dann endlich entschloss zum Arzt zu gehen, war der Lungenkrebs, der diagnostiziert wurde, schon sehr weit fortgeschritten. Mit dem Rauchen habe er natürlich sofort aufgehört. Er wurde palliativ behandelt, es sollte ihm ein Sterben ohne Schmerzen bereitet werden. Zurzeit bekam er eine Chemotherapie, um die Metastasen, die sich gebildet hatten, zurückzudrängen. Gestern erst, erzählte er, habe man ihm die Lunge punktiert, um die Flüssigkeit, die sich gesammelt hatte, abzuziehen. Für mich hörte sich das nicht gut an. Wie viel Lebenszeit er noch eventuell haben würde, wollte er von den Ärzten nicht wissen. So könne er daran glauben, noch genug Zeit zu haben.
Er erzählte mir auch, dass er Alkoholiker sei, seit fünfundzwanzig Jahren aber »trocken« wäre. Da konnten wir uns die Hand schütteln. Ich hatte auch eine Suchtkarriere, wie man so schön sagt, hinter mir und war seit vierzig Jahren ohne Alkohol unterwegs. Ich hatte mit vierundzwanzig Jahren mit dem Trinken aufgehört. Das schreibt sich jetzt so leichthin. Immerhin habe ich zwei Entzugstherapien dazu benötigt und ich kann mich erinnern, dass die ersten vier Jahre »trocken« eine harte Angelegenheit gewesen waren.
Ich wollte nach der ersten Therapie eine Ausbildung zum Altenpfleger machen. Eine Altenpflegeschule hatte mich zu einem Test eingeladen. Man sagte mir in einem Gespräch, dass das Ergebnis gut ausgefallen sei, doch stände einer Aufnahme in die Schule die Tatsache entgegen, dass ich erst ein Jahr trocken sei. Um in ihrer Einrichtung aufgenommen zu werden, müsse ich aber mindestens vier Jahre abstinent gelebt haben. Ich war enttäuscht, frustriert und erbost. Aber so waren die Bedingungen. Kurze Zeit später wurde ich rückfällig, trank ungefähr eineinhalb Jahre, um dann die zweite Therapie anzugehen.
Vier Jahre nach der zweiten Therapie begann ich meine Ausbildung zum Ergotherapeuten. Zwischenzeitlich hatte ich ein Jahr die Berufsaufbauschule besucht, ein einjähriges Praktikum in einer Suchtberatungsstelle des Diakonischen Werkes absolviert und einen halbjährigen Lehrgang über das Arbeitsamt in Metallverarbeitung gemacht. Den Rest der Zeit war ich arbeitslos gemeldet. Das alles zeigt meine Orientierungslosigkeit während dieser Zeit.
Die Ausbildung zum Ergotherapeuten, mein neuer Wunschberuf, war nicht ohne. Ich kam durchaus an meine psychische Belastungsgrenze. Heute weiß ich, hätte ich nach der ersten Therapie, den Ausbildungsplatz zum Altenpfleger bekommen, hätte ich die Ausbildung nicht durchgehalten. Ich wäre nicht belastbar genug gewesen. Das Konzept der Altenpflegeschule war also, jedenfalls was mich betraf, vollkommen in Ordnung.

Neue Märchenausschreibung Sperling-Verlag

Vor Kurzem erreichte mich eine E-Mail vom Sperling-Verlag, in der ich auf die neue Märchenausschreibung des Verlags aufmerksam gemacht wurde. Da bin ich natürlich dabei. Die Teilnahme an den Ausschreibungen des Verlags macht mir immer viel Spaß.
Bisher bin ich dreimal in Anthologien des Verlags vertreten und bin recht stolz darauf, denn Märchen sind nicht unbedingt dass, was ich vorwiegend schreibe.
Ich hoffe, ich habe einen guten Einfall für ein lustiges Märchen, denn um lustige Märchen soll es gehen. Wenn es dann noch klappt, dass ich in der Anthologie dabei bin, bin ich froh und glücklich.

In diesem Sinne

Rainer

Kurzkrimi beendet

Gestern habe ich die Rohfassung meines Kurzkrimis für den Freiburger Krimipreis beendet. Eine Userin bei Facebook hat mich darauf aufmerksam gemacht, dass die Veranstalter dieser Ausschreibung (ich nehme an, sie hat schon mal mitgemacht) sehr anspruchsvoll sind. Können Sie ruhig. Schon die Beschreibung der Ausschreibungen und die Preise machen meist deutlich, welches Niveau die Ausschreibung hat. Ich lasse mich meist nicht abschrecken. Wenn das Thema mich anspricht, nehme ich das als Motivation zum Schreiben. Ist wie bei der Olympiade: Dabei sein, ist alles. Jeder Text, den ich schreibe, bringt mich in meinem Autorendasein weiter.
Das Manuskript lasse ich jetzt erstmal zwei Wochen liegen und gehe dann ans Überarbeiten. Ich kann mir Zeit lassen, Ablieferungstermin ist erst am 25. Juni.

Übermorgen ist wieder die Schreibgruppe der Schreibwerkstatt, da nehme ich aber schon mal ¼ des Textes mit (mitgebrachte Texte dürfen eine Länge von 3 Normseiten haben), um ihn dort vorzustellen. Da können die ersten Fehler korrigiert werden. Dann werde ich im Mai nochmal drei Seiten Text in der Gruppe besprechen lassen.
Den Rest des Textes lasse ich dann von einer befreundeten Lektorin überarbeiten (8 Normseiten). Das ist mir die Sache wert, das Lektorat gibt es nicht umsonst. Die Lektorin macht das ja auch nicht zum Spaß. Bei acht Seiten ist das sowieso ein Kleckerbetrag.

In diesem Sinne

Rainer

Buchwerbung

Freu mich: Mein Buch »Flaschenpost – Das Ende einer Sucht« ist veröffentlicht. Ist bei Amazon.de und Thalia.de schon zu haben. Da habe ich mich heute Morgen direkt daran gemacht und habe den entsprechenden Link in sechs verschiedenen Facebook-Gruppen, in denen für Bücher geworben werden darf, gepostet. Werbung muss sein.
Vor einiger Zeit hat die Werbung für meine Bücher ja der Karina-Verlag gemacht. Gut, ich habe meine Bücher natürlich auch beworben, aber die Hauptarbeit lag beim Verlag. Jetzt muss ich das alleine stemmen. Viele Möglichkeiten habe ich da nicht.
Bis Anfang des Jahres hat auch die Oberhessische Presse (regionaler Zeitschriftenverlag) Werbung für meine Bücher gemacht. Die Zeitung hatte einen Online-Shop, in dem sie Bücher von regionalen Autoren anbot. Der Shop wurde leider eingestellt und es wird keine Werbung mehr gemacht. Ich gehe davon aus, dass sich aus diesem Grund mein letzter Marburg-Krimi schlecht verkauft hat. Die Werbung in der Zeitung war ein enormer Reklamefaktor, der nun weggebrochen ist.
Wahrscheinlich spielte auch der regionale Charakter meiner Krimis für den Verkauf eine Rolle. Waren Marburg-Krimis. Bei der »Flaschenpost« fällt der regionale Faktor weg und auch bei meiner Krimi-Anthologie »Das Krimi-Potpourri«, die nächste Woche veröffentlicht wird, spielt dieser Aspekt keine Rolle. Bin gespannt, ob das negative Auswirkungen hat und der Verkauf stagniert. Wobei ich hier betonen möchte, dass es mir bei dem Verkauf nicht um das Geld geht. Ich lege bei meinen Selfpublisher-Projekten eh drauf. Aber mich freut es, wenn meine Texte gelesen werden.

In diesem Sinne

Rainer

https://www.thalia.de/shop/home/artikeldetails/A1063497556

Arbeit am Kurzkrimi

Habe ja angefangen an meinem Krimi zu arbeiten, d.h. das Berichten über meine Krebserkrankung rutscht erstmal nach hinten. An zwei Projekten arbeiten bringt nichts. Mir fiel ein, dass ich schon mal einen Kurzkrimi über eine Entführung geschrieben habe. Wie ich meine erwähnt zu haben, soll es bei meinem Krimi für den Freiburger Krimipreis um eine Entführung gehen. Ich habe mir also den alten, nicht veröffentlichten, Krimi vorgenommen und genau untersucht. Feststellen musste ich, dass ich sehr viele Teile und Passagen aus diesem Krimi für meinen neuen übernehmen kann. Namen und Orte (da muss ich eh noch recherchieren) müssen ausgetauscht werden und natürlich der Großteil neu geschrieben werden. Ich war erst nicht sicher, ob der alte Krimi wirklich als Hilfe anzusehen ist oder ob er die Sache nicht erschwert, weil ich die neue Geschichte vielleicht zu sehr anpassen muss. Aber wie es aussieht, klappt das ganz gut. Ich habe da ein gutes Gefühl.

In diesem Sinne

Rainer

Status quo

Ich habe mich entschlossen in meinem Blog über meine Krebserkrankung (Anaplastisch-großzelliges ALK-negatives T-Zell-Lymphom Stadium IA, Lymphknoten zervikal links: undifferenzierter maligner Tumor, CD30 positiv) zu schreiben.
Die Diagnosestellung geschah im Februar 2019, der Verdacht (wenigstens bei mir) bestand seit Silvester 18. Die Chemobehandlung ging bis August 2019. Seitdem muss ich natürlich regelmäßig (glücklicherweise nur noch jedes halbe Jahr) zur Nachkontrolle. Bisher bin ich in einer stabilen Remission (keine Krankheitssymptome). Als geheilt gelte ich aber erst nach fünf Jahren, also in zirka zweieinhalb Jahren. Sollte nach dieser Zeit die Erkrankung wieder auftreten, gilt dies als Neuerkrankung. Warum auch immer. Wahrscheinlich gilt es irgendeine Grenze zu ziehen und hängt mit irgendeiner Statistik zusammen.
Ich gelte also nicht als geheilt, muss aber sagen, dass ich mich so fühle. Ich genieße das einfach und mache mir keine unnötigen Sorgen. Wenn der Krebs wieder auftritt muss ich mich ihm stellen. Kurz vor den Nachkontrollterminen stellt sich natürlich die Angst vor dem Krebs wieder ein. Ist aber irrational, denn warum sollte genau zu diesem Termin ein Erkrankungsneubeginn festzustellen sein. Die Wahrscheinlichkeit, dass das zwischen diesen Terminen eintritt, ist wahrscheinlicher. Aber allein schon diesen Gedanken weiter zu spinnen ist kontraproduktiv.
Ich hoffe, dass der Zeitabstand seit Beendigung der Behandlung groß genug ist, um mit dem entsprechenden Abstand darüber berichten zu können. Sollte das nicht so sein und das Schreiben darüber weckt nur wieder Angst ein Rezidiv (Rückkehr der Erkrankung) zu bekommen, kann ich das Projekt jederzeit abbrechen.

Ansonsten habe ich heute begonnen, an meinen Krimi zum Freiburger Krimipreis 2022/23 zu schreiben. Es fasziniert mich immer wieder, wie schnell man in die eigene erschaffene Welt versinken kann. Einfach toll!

In diesem Sinne

Rainer

Wie geht es weiter?

Mein Ziel hier war ja möglichst jeden Tag etwas zu schreiben. Wie ich jetzt merke, ist das mit dem Thema »Schreibprojekte« nicht gerade einfach. Da gibt es mal eine Phase, da hat man viel zu berichten und dann wieder nicht. Ich merke das an meinem letzten Projekt der Ausschreibung »Freiburger Krimipreis«. Die Recherche ist gemacht, die Figuren erstellt, der Plot ist fertig. Jetzt gilt es die Geschichte zu schreiben und damit hat es sich. Was soll ich also jetzt hier berichten. Wie ich mich hinsetzte und die ersten Sätze formuliere oder wie der Schreibfluss mal immer wieder stockt? Das kann es ja nicht sein. Lange Rede, kurzer Sinn, das heißt im Klartext, dass mir zu meinem Schreiben momentan nichts einfällt, was ich berichten könnte. Und aus den Fingern saugen, will ich mir auch nichts. Das wird nur verkrampftes Zeug, was ich dann ablade.
Vor einiger Zeit hatte ich mir überlegt über meine Krebserkrankung zu schreiben. Ich dachte, das ist vielleicht ein Thema, das Leser interessieren könnte. Aber darüber gibt es schon Tausende von Büchern. Heute Morgen kam mir die Idee, vielleicht im Blog über meine Erkrankung zu schreiben. Das wäre ein Thema zu dem ich zügig schreiben könnte und zwei- oder dreimal in der Woche darüber zu berichten. Das mir jedem Tag etwas zu bloggen, schminke ich mir lieber ab. Ich setze mich nur selbst zu sehr damit unter Druck.
Ich werde über die Angelegenheit noch zwei oder drei Nächte schlafen und dann wird die Entscheidung darüber gefallen sein.

In diesem Sinne

Rainer

Sonstiges 2. Teil

Ich will mich heute mit einem langjährigen Freund auf einen Kaffee treffen. Wir hatten das eigentlich regelmäßig getan, doch war das in den letzten Monaten durch pandemiebedingte Einschränkungen weniger möglich. Kennengelernt haben wir uns vor über vier Jahrzehnten im Freundeskreis Marburg. Freundeskreise sind Selbsthilfevereine für Suchtkranke. Ich bin dort nach meiner Entzugstherapie aufgeschlagen und nahm drei Jahre an den Gesprächsgruppen und an Geselligkeiten teil. Dann trat ich aus dem Verein aus, da ich nach dieser Zeit, das Gefühl hatte, mich in einem Ghetto zu bewegen. Um mich herum nur noch Suchtkranke! Ich bin dem Verein und den Leuten für die geleistete Unterstützung ein »trockenes« Leben zu führen sehr dankbar, doch für mich war es damals Zeit andere Wege zu gehen. Natürlich blieben Kontakte zu bestimmten Personen erhalten. Mein Freund ist einer davon. Bin gespannt, was es Neues bei ihm gibt.
Ansonsten werde ich heute mein Bewegungsprogramm, wie gehabt, durchziehen und will gegen Abend einer kleinen Holzarbeit den letzten Schliff geben. Wortgemäß. Das Teil muss noch abgeschliffen werden.

In diesem Sinne

Rainer

Benötigt den letzten Schliff.